Auch Dein innerer Kritiker braucht mal Urlaub
Kennst Du die innere Stimme in Deinem Kopf? Die, die Dir morgens schon sagt: „Na, wieder zu spät? Läuft ja wieder richtig gut bei Dir.“ Die, die abends dann ergänzt: „Und was ist heute wieder alles liegen geblieben? Wolltest Du nicht heute noch das Angebot rausschicken und den Rasen mähen?“
Herzlichen Glückwunsch! Auch Du hast einen inneren Kritiker, scheinbar mit Festanstellung auf Lebenszeit. Meiner heißt Quatschi und ist übrigens gut befreundet mit meiner Drama-Queen…Was Dir Dein innerer Kritiker ins Ohr säuselt, fühlt sich für Dich oft wie die Wahrheit an. Tatsächlich haben diese selbstkritischen Gedanken ihren Ursprung in deiner Vergangenheit.
In Sätzen, die Du vielleicht als Kind gehört hast: „So wie Du das machst, klappt das eh nicht!“
In Erwartungen, die an Dich gestellt wurden: „Wir haben so viel für das Diktat geübt, nun muss es aber auch eine Eins werden!“
Aus diesen Sätzen sind Glaubenssätze und erlernte Schutzstrategien entstanden wie:
„Ich muss alles perfekt machen, um geliebt zu werden!“
„Ich bin nicht gut genug für diesen Job und muss mich da gar nicht erst bewerben!“
Deine Glaubenssätze laufen unbewusst im Hintergrund, der Kritiker, spricht sie laut aus. Genau wie die Drama-Queen meint es dabei nur gut mit Dir und gaugelt Dir dabei Sicherheit vor:
„Nur wenn Du perfekt bist, wirst Du akzeptiert, nur dann geht’s die nächste Stufe auf der Karriereleiter hinauf, nur dann findest Du den perfekten Partner.“
Das perfide daran ist, je öfter Du dem Quatschi in Deinem Ohr zuhörst und diese Gedanken denkst, desto stärker werden sie. Das Gehirn liebt bekannte Wege und Selbstkritik wird zur Routine, Selbstzweifel zum Normal. Anstatt Dich sicher zu machen, hält Dein innerer Kritiker Dich oft klein und lässt Dich zweifeln. Ist Dir dabei schon mal aufgefallen, dass Du Dir selbst gegenüber oft härter bist, als anderen gegenüber?
Der entscheidende Punkt ist: Auch wenn er es gut meint, Du muss dem alten Nörgler in Deinem Ohr nicht alles glauben. Du kannst anfangen ihn zu hinterfragen und damit beginnen, eine andere, freundlichere Stimme in Dir zu stärken. Selbstmitgefühl kommt an dieser Stelle ins Spiel. Dieser Begriff hat ein Imageproblem, ich weiß. Klingt nach Räucherstäbchen, Badewanne mit Duftkerze und Bäume umarmen? Das ist es aber nicht. Selbstmitgefühl heißt schlicht, mit Dir so zu sprechen, wie Du mit Deiner besten Freundin oder Deinem besten Freund sprechen würdest: freundlich, verständnisvoll und zugewandt. Es geht nicht darum, alles schön zu reden. Sondern darum, Dich nicht ständig klein zu machen und auch mal geduldig mit Dir zu sein, auch wenn es schwer fällt…
WOMAN become yourself Impuls:
Nutz doch mal den Sommer und schick Deinen inneren Kritiker in den Urlaub:
Beobachte Dich in dieser Woche dabei, wie Du mit Dir sprichst, wenn irgendetwas nicht optimal gelaufen ist („War ja klar, dass das wieder nicht klappt. Ich bin doch einfach echt zu blöd!“).
Halte kurz inne. Sag einfach leise zu Dir: „Da bin ich jetzt aber ziemlich hart zu mir!“ (Keine Angst, dieser Gedanke macht Dich noch nicht zu einem weichgespülten Esoteriker).
Wechsle kurz die Perspektive und überlege, was Du sagen oder tun würdest, wenn Dir eine Freundin oder ein Freund von dem Missgeschick erzählen würde. Genau das sagst Du dann auch zu Dir („Hey, das war jetzt nicht ideal. Aber es lässt sich lösen und es haben ja auch alle überlebt!“). Kein großer Vortrag, mach einfach weiter, ohne Dich kleinzumachen.