Erschöpft vom Funktionieren – wenn wir zu lange gegen uns selbst leben
Manchmal sind wir müde und können aber gar nicht genau sagen, warum. Der Alltag läuft, wir arbeiten, organisieren, kümmern uns, treffen Entscheidungen und erledigen, was so zu erledigen ist. Trotzdem fehlt bei allem die Energie.
Natürlich kann Erschöpfung viele Ursache haben – auch gesundheitliche. Aber manchmal steckt auch etwas anderes dahinter: Wir leben schon zu lange nicht mehr so, wie es sich für uns eigentlich richtig anfühlt.
Wenn wir gegen uns selbst leben
„Nicht gelebte Wahrheit“ klingt groß. Im Alltag zeigt es sich ganz unspektakulär. Wir sagen Ja, obwohl wir Nein denken. Wir schlucken etwas herunter, um Streit zu vermeiden. Wir übernehmen Verantwortung, die eigentlich gar nicht unsere ist. Wir bleiben in Situationen, von denen wir wissen, dass sie uns nicht guttun. Nach außen funktionieren wir. Innerlich wird der Widerstand immer größer. Und Widerstand kostet Kraft.
Besonders anstrengend: leben gegen die eigenen Werte
Unsere Werte sind unser innerer Kompass. Sie zeigen uns, was uns wirklich wichtig ist – wie z.B. Selbstbestimmung, Respekt, Verlässlichkeit oder Freiheit. Daraus entwickeln sich unsere Standards – also Maßstäbe dafür, was sich für uns richtig und stimmig anfühlt: wie wir leben möchten, wie wir mit anderen umgehen und wie wir selbst behandelt werden wollen.
Ist uns Respekt wichtig, kann ein Standard sein, dass wir uns nicht dauerhaft respektlos behandeln lassen. Ist uns Verlässlichkeit wichtig, erwarten wir Verbindlichkeit – von uns selbst, aber auch von anderen. Ist uns Selbstbestimmtheit wichtig, möchten wir Entscheidungen über unser Leben selbst treffen.
Schwierig wird es, wenn der Alltag dauerhaft nicht dazu passt. Wenn wir Verhalten hinnehmen, dass über unsere Grenzen hinausgeht oder vor lauter Verpflichtungen kaum Raum dafür bleibt, was uns eigentlich wichtig ist.
Auch vermeintlich positive Werte, können dabei zur Belastung werden. Verlässlich zu sein, ist nicht gleichzusetzen damit, immer verfügbar zu sein. Für andere da sein zu wollen, bedeutet nicht, sich selbst zu vergessen. Und ein harmonisches Leben anzustreben, heißt nicht, jedem Konflikt aus dem Wege zu gehen.
Wenn wir dauerhaft gegen unsere eigenen Werte und Standards leben, entsteht eine innere Spannung.
Warum ändern wir trotzdem nichts?
Ein Teil von uns weiß längst, dass es nicht mehr passt. Trotzdem fällt es uns schwer, auszusteigen. Veränderung ist immer unbequem. Wir wollen niemanden enttäuschen. Wir möchten Konflikte vermeiden und haben Angst vor den Konsequenzen. Und manchmal reden wir uns ein: „So schlimm ist es doch gar nicht!“. „Andere schaffen das doch auch!“.
Good News: Die eigene Wahrheit zu leben bedeutet nicht, sofort das ganze Leben auf den Kopf zu stellen. Es beginnt viel kleiner: damit ehrlich mal hinzuschauen.
WOMAN become yourself Impuls:
Nimm Dir ein paar Minuten und vervollständige diese Sätze:
Wenn ich ganz ehrlich mit mir bin, müsste ich mir eingestehen, dass…
Eigentlich ist mir wichtig, dass….
Und dann schau mal hin: Passt Dein Alltag dazu?
Du musst daraus jetzt keine große Entscheidung machen. Manchmal ist es schon ein wichtiger erste Schritt, überhaupt wahrzunehmen, wo wir gerade gegen uns selbst leben.
Erschöpfung entsteht nicht immer nur durch zu viel. Manchmal entsteht sie auch daraus, dass wir zu lange gegen das leben, was uns wichtig ist.