Keine Angst vor der Angst
Angst gehört zum Menschsein. Meine Tochter hatte früher große Prüfungsangst, meine Freundin hat Angst auf der Autobahn zu fahren, mein Enkel fürchtet sich im Dunkeln. Angst ist kein Zeichen von Schwäche, sondern ein uraltes Schutzsystem unseres Körpers. Gleichzeitig kann sie uns sehr einschränken – vor allem wenn sie übermäßig und scheinbar grundlos auftritt.
Wie Angst entsteht
Angst ist eine sinnvolle Reaktion: In Gefahr aktiviert unser Körper den „Kampf-Flucht -Modus“. Der Puls steigt, die Muskeln spannen sich an, wir werden wachsam. Früher sicherte das unser Überleben. Heute lösen meist andere Faktoren Angst aus. Verursacher sind zum Beispiel erlernte Erfahrungen: wer in der Schule beim Vorlesen ausgelacht wurde, fürchtet sich vielleicht später davor öffentlich zu sprechen. Und dann sind da noch unsere Gedanken, die Ängste kreieren. Das geht von „Was könnte nicht alles passieren?“ bis zu „Ich schaffe das sowieso nicht.“ Andere Angstauslöser sind Unsicherheit und Kontrollverlust. Unklare oder ungelöste Situationen lassen unser Gehirn immer wieder Gefahren durchspielen.
Strategien im Umgang mit Angst
Ein häufig gewählter Umgang mit Angst ist die Vermeidung. Kurzfristig führt dieses Verhalten zur Entlastung, wirkt langfristig aber eher verstärkend und lässt die Angst wachsen. Angst lässt sich nicht abschalten, aber möglicherweise anders handhaben.
Verstehen statt bekämpfen
Nimm deine Angst bewusst wahr und akzeptiere, dass sie da ist. Du kannst sie auch begrüßen, wie eine alte Freundin, wenn sie wieder mal auftaucht und dann beobachte sie:
– Was genau macht dir Angst?
– Welche Gedanken treten konkret auf?
– Wie reagiert dein Körper?
Ich habe mir vor einiger Zeit sehr große Sorgen gemacht, wenn meine Tochter mit ihrem Motorrad unterwegs war. Solange sie nicht wieder heil zu Hause angekommen war, war bei mir Ausnahmezustand. Meine Gedanken kreisten nur darum, was alles passieren könnte.
Nicht jeder Gedanke ist wahr
Angst erfindet häufig Gedanken, die sich sehr real anfühlen, aber eigentlich Übertreibungen oder Fehlinterpretationen sind. Das zu verstehen, hat mir als kopfgesteuertem Menschen sehr geholfen, verbunden mit dem Perspektivwechsel, dass ich nicht meine Gedanken bin, sondern die Person, die meine Gedanken beobachten und steuern kann.
Körper beruhigen
Wenn meine Tochter auf Tour ging, haben mir drei weitere Tools geholfen, meinen Körper zu beruhigen, die ich auch heute noch in anderen Situationen oder auch bei Stress anwende: ich atme tief in den Bauch (vier Sekunden einatmen, kurz anhalten, 6 Sekunden ausatmen). Das Klopfen von Beinen, Armen und Brust, Nacken und Gesicht (Tapping) hilft mir auch immer gut, in angespannten Situation meinen Puls runterzufahren. Außerdem bringt mich körperliche Bewegung gut aus der Angst. Dazu gehören Hüpfen und Armkreisen oder auch ein Spaziergang in der Natur.
Natürlich mach ich mir nach wie vor Sorgen, wenn meine Kinder Motorrad fahren, aber es herrscht kein emotionaler Ausnahmezustand mehr und wenn sich dann die Angst doch wieder anschleicht, greife ich auch heute noch auf diese Strategien zurück.
WOMAN become yourself Impuls für Ängste, die aus Gedanken entstehen, aber nicht Realität sind:
Beobachte dich diese Woche mal: in welchen Situationen spürst du Angst?
Benenne sie und sage dir: „Das ist Angst. Nicht Realität. Jetzt im Moment ist alles gut.“
Gedankencheck: Was sind die Fakten – was sind die Annahmen?
Alternative formulieren, z.B. statt „Ich schaffe das nicht“, „Es wird eine Herausforderung und ich werde mein Bestes geben“.
Atemübung, Tapping, und Bewegung