Selbstoptimierung – nur Stress in schön?
Selbstoptimierung – ein Begriff, der mir aktuell an vielen verschiedenen Stellen und in unterschiedlichen Zusammenhängen immer wieder begegnet: wir tracken unseren Schlaf, zählen die täglichen Schritte und optimieren unsere Morgenroutine. Sich selbst zu optimieren – klingt ja auch erst mal gut: besser werden, effizienter arbeiten, klarer kommunizieren. Kurz gesagt: die beste Version seiner selbst werden – wer will das nicht?
Selbstoptimierung heißt zunächst, bewusst an sich zu arbeiten und dabei Gewohnheiten, Gedanken und Verhalten zu verändern. Ich habe mir zum Beispiel in diesem Sommer vorgenommen, morgens früher aufzustehen, um endlich wieder Sport zu machen und statt Netflix abends wieder mehr zu lesen. Klingt gut? Ist es auch. Aber es gibt noch eine Kehrseite der Selbstoptimierung.
Wir leben in einer Welt, die uns ständig zeigt, dass es noch besser, gesünder, schöner und effizienter geht. Social Media, Podcasts, Bücher und Zeitschriften – überall kleine und große Versprechen: „Du kannst mehr aus Dir machen“. Stillstand ist Rückschritt, wird uns damit vermittelt. Natürlich ist Wachstum wichtig und Selbstoptimierung kann ein guter Motor sein, um Ziele zu erreichen, unliebsame Gewohnheiten zu verändern und Verantwortung für unser Leben zu übernehmen. Sie bringt auch Klarheit bei der Frage, was uns guttut und was vielleicht eher nicht. Gleichzeitig stärkt Selbstoptimierung das Selbstbewusstsein, da wir spüren, dass wir etwas verändern können – wenn wir dranbleiben…
Selbstoptimierung bringt uns raus aus alten Mustern, aber sie macht nicht automatisch glücklich. Problematisch wird es, wenn aus einem gesunden Wunsch ein innerer Druck und jeder Tag zum Projekt wird und sich eine Pause wie Schwäche anfühlt. Dann optimieren wir nicht mehr, dann funktionieren wir nur noch. Aus „Ich möchte etwas verändern“ wird schnell ein „Ich muss mich verbessern“. Dabei verlieren wir genau das, wonach wir suchen: Zufriedenheit. Selbstoptimierung fühlt sich besser an, wenn sie nicht aus einem Mangel heraus entsteht, sondern aus Neugier.
Daher versuche ich für mich einen guten Umgang zwischen Entwicklung und Akzeptanz zu finden und wähle dabei bewusst: Was möchte ich verändern und was darf gern so bleiben wie es ist? Wichtig ist dabei für mich auch die Frage, was ich aktuell eigentlich an Veränderung leisten kann und was in mein Leben passt. Manchmal ist dabei für mich der nächste Schritt nicht ein weiterer Plan, sondern eine Pause und die mache ich grad bewusst beim morgendlichen Sport…
WOMAN become yourself Impuls:
Vielleicht ist gar nicht das nächste Ziel, eine bessere Version von Dir selbst zu werden, sondern eine, die sich gut anfühlt?
Drei kleine Übungen, um wieder mehr bei Dir anzukommen:
Die „Gut-genug“-Entscheidung
Wähle jeden Tag eine Sache, die Du bewusst nicht perfektionierst. Eine Mail, die Du abschickst, ohne sie noch fünfmal zu verbessern.
Frag Dich danach: Was ist wirklich passiert? War „gut genug“ vielleicht genau richtig?
Für wen mache ich das eigentlich?
Wenn Du merkst, dass es grad wieder an Dir nagt und Du Dich wieder verbessern willst, halte einen Moment inne und frag Dich: Mach ich das grad für mich – oder für die Erwartung, die von außen an mich gestellt wird oder die ich meine, die von außen an mich gestellt wird (da liegt auch oft ein nicht wesentlicher Unterschied…).
Diese Frage bringt Dich raus aus dem Autopilot – und zurück in die Entscheidung.
10 Minuten ohne Zweck
Eine Aufgabe, die mir absolut schwerfällt: plane täglich 10 Minuten ein, in denen Du nichts tust. Keine Mails checken, keine Nachrichten abhören, kein Podcast. Kein „Ich nutze die Zeit sinnvoll!“. Für mich findet sich dieser Zeitraum meistens in Bus oder Bahn. Dann lege ich das Handy bewusst zur Seite und beobachte andere beim Selbstoptimieren.