Wie negative Gedanken unsere Realität mitgestalten
Mein Vater sagte immer: „Wenn Du nichts Positives über eine Person zu sagen weißt, dann halte lieber den Mund!“ Je älter ich werde, je mehr finde ich die Wahrheit hinter diesen Worten.
Wer kennt das nicht, es passiert oft ganz nebenbei: ein kritischer Gedanke schießt uns durch den Kopf, verbunden mit einem leisen Urteil und dann kommt schon der Kommentar über eine Person oder deren Verhalten. „Sollte eine Frau über 50 mit einem nicht mehr ganz flachen Bauch wirklich noch so ein enges Kleid tragen?“
Warum reden oder schreiben wir überhaupt negativ über andere?
Ein Grund liegt in unserem eigenen Inneren. Wenn wir uns unsicher fühlen, vergleichen wir uns automatisch mit anderen. Wenn wir dabei andere abwerten, werten wir uns automatisch selbst auf. Sie hat einen dickeren Bauch als ich – damit bin ich hier doch eigentlich das Supermodell, warum sieht das denn keiner? Es ist ein unbewusster Versuch, Kontrolle zu gewinnen. Negative Gedanken über andere sind dabei oft ein Spiegel unserer eigenen Ängste, Zweifel oder unerfüllten Bedürfnisse.
Ein zweiter Aspekt ist unsere soziale Prägung. Wir lernen früh, zu bewerten und zu unterscheiden. Das hilft uns insbesondere als Kind, die Welt zu verstehen. Nicht jede Form der Bewertung ist dabei mit negativen Gedanken verbunden. Im Jugend- und Erwachsenenalter kann das aber dazu führen, jemanden vorschnell in „eine Schublade einzusortieren“ – ohne das wirklich zu hinterfragen.
Was machen negative Gedanken mit uns?
Unsere Gedanken beeinflussen unsere Wahrnehmung und unsere Wahrnehmung beeinflusst unser Handeln. Wenn wir negativ denken, sehen wir also auch mehr Negatives in unserem Umfeld. Wir senden andere Signale aus und werden anders von unserem Umfeld wahrgenommen. Wir formen auf diese Weise nach und nach unsere Realität, ohne es zu bemerken.
Das bedeutet nicht, dass wir alles kontrollieren, was um uns geschieht. Aber wir tragen Verantwortung für die Energie, die wir in die Welt senden. Jeder Gedanke, jedes Wort ist ein kleiner Impuls – nach innen und nach außen. Oft sagt auch das, was wir über andere denken, sagen oder schreiben, mehr über uns selbst aus als über die betroffene Person.
WOMAN find yourself Impuls
– Versuch mal in dieser Woche bewusst wahrzunehmen, wenn sich ein bewertender oder negativer Gedanke in deinem Kopf breit macht.
– Halte kurz inne und frag dich, woher der Gedanke kommt und was wirklich dahintersteckt? Ist es eigene Unsicherheit oder Angst – vielleicht auch etwas Neid?
Sei geduldig mit dir. Negative Gedanken verschwinden nicht von einem Tag auf den anderen und manchmal macht eine gepflegte Lästerei unter Mädels auch richtig Spaß. Der entscheidende Schritt ist aber aus dem Unbewussten ins Bewusste zu kommen und vielleicht auch mal nichts zu sagen, wenn dir nichts Positives über eine Person einfällt. Einfach mal eine Pause aushalten, wie eine Freundin von mir immer sagt.