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Klar kommunizieren – warum uns „Nein“ sagen so schwerfällt

„Ja“ sagen fällt vielen von uns leicht. Ob es der Kuchen für den Schulbasar ist, den du natürlich trotz des großen Projekts in der Firma zugesagt hast und nun um 22:00 Uhr noch in der Küche stehst und backst. Oder die Kollegin, die dich ja eigentlich nicht in deinem Urlaub stören möchte, aber sich trotzdem mit einer „kleinen“ Frage meldet, an deren Beantwortung du dann zwei Tage deines Urlaubs arbeitest? Kennst du diese oder vergleichbare Situationen, in denen du funktionierst – „Ja“ sagst, aber eigentlich „Nein „denkst“?

In unserer Gesellschaft galt für Frauen lange Zeit die unausgesprochene Regel: sei pflegeleicht und angepasst. Bist du das nicht, giltst du schnell als anstrengend, als „too much“ und bekommst das Gefühl, nicht richtig zu sein und „nicht dazuzugehören“. Der Ausschluss aus der Gruppe bedeutete für den homo sapiens den sicheren Tod – wie sollte er sich auch allein gegen den Angriff eines Säbelzahntigers verteidigen? Die Angst vor sozialer Ablehnung aktiviert auch heute noch unser Stressnetzwerk. Anpassung und das Gefühl dazuzugehören vermitteln uns ein Gefühl von Sicherheit und unser emotionales Zentrum – das limbische System – kann sich entspannen. Nur dass wir heute nicht mehr in der Steinzeit leben! Dein Leben ist regelmäßig nicht in Gefahr, wenn du auch mal „nein“ sagst und keinen Kuchen für den Schulbasar backst. Das Einzige, was du riskierst, ist die Illusion von Zugehörigkeit zu Menschen, die dich sowieso nicht wirklich kennen.

Versteh mich bitte nicht falsch, das hier ist kein Aufruf zu unsozialem oder unkollegialem Verhalten. Es geht mir um etwas anderes: Wer sich aus Angst vor dem vermeintlichen Verlust von Zugehörigkeit auf Dauer verbiegt und dabei nicht im Einklang mit seinen Werten lebt, überschreitet ständig seine eigenen Grenzen (s. dazu den Beitrag „Warum ich aufgehört habe, es allen recht zu machen

Du läuft damit nicht nur Gefahr auf Dauer deine Identität zu verlieren, sondern lebst auch innerlich im Dauerstress. Dein Körper merkt, was dein Verstand zu übergehen versucht und zeigt es dir mit Symptomen wie Schlafschwierigkeiten, hohem Blutdruck, Verspannungen und Kopfschmerzen. Daher ist „Nein“ sagen kein Egoismus, sondern reine Selbstfürsorge. Wer klar und entsprechend der eigenen Werte kommuniziert, verschafft sich Respekt, Verlässlichkeit und echte Beziehungen – im Job und zu hause. Ein ehrliches „Nein“ ist oft der Anfang von mehr Klarheit und weniger Stress, auch wenn es für Dein Umfeld vielleicht am Anfang etwas ungewohnt ist.

Woman Become yourself Impuls

Nein sagen kann man trainieren:

– Wenn dich jemand um etwas bittet, baue eine bewusste Pause ein und antworte nicht gleich automatisch mit „Ja“.

– Wenn Du dich unsicher fühlst, kommuniziere klar und erbitte Dir Bedenkzeit („Ich kann noch nicht absehen, ob wir nächsten Freitag Zeit haben. Darf ich Dir morgen Bescheid sagen?“).

– Prüfe den Unterschied zwischen „muss ich machen“ und „kann ich machen“ und frag dich dabei, in wessen Verantwortung liegt diese Aufgabe wirklich?

– Berücksichtige deine eigenen Bedürfnisse genauso wie die der anderen und lerne damit zu leben, dass bei einem „Nein“ von dir vielleicht nicht alles perfekt läuft, du aber nicht mit einem Säbelzahntigerangriff rechnen muss.

– Lege dir Antworten für eine freundliche Ablehnung zurecht, damit du dein Bedürfnis klar rüberbringst, ohne ins Stottern zu geraten. Sprich dabei ruhig und freundlich, such Augenkontakt. Überleg dir vielleicht auch ein Gegenangebot, das du mit deiner Absage verbinden kannst: „Ich habe leider aufgrund eines großen Projekts in der Firma keine Kapazität, dieses Mal einen Kuchen für den Schulbasar zu backen. Ich könnte aber einen Kuchen kaufen.“

Viel Erfolg beim „Nein“ sagen!